Henny Jahn
Kirchenmusikerin, Orgelbaumeisterin, Orgel- und Orgelbausachverständige
Schlangenhaltung
Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich mit der Haltung verschiedenster Schlangenarten.
Schlangen sind ganz außergewöhnlich faszinierende Tiere, haben einen eigenwilligen Charakter und lassen sich, ähnlich wie Katzen, weder zu etwas erziehen noch dressieren. Die Eleganz und Anmut ihrer Bewegungen haben mich seit jeher in ihren Bann gezogen, die Ästhetik und Vielfalt ihrer Musterungen wird von kaum einer anderen Tierart übertroffen.
Da viele Schlangenarten weltweit auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere stehen, haben sich die Terrarianer immer bemüht, möglichst viele Schlangenarten nachzuzüchten, so dass heute niemand mehr auf Wildfänge zurückgreifen muss, um die Schlangenhaltung zu betreiben. Durch die Haltung von zahllosen Tieren in menschlicher Obhut ist es über Jahrzehnte hin gelungen, wertvolle Informationen über die Lebensgewohnheiten der Tiere in ihrem natürlichen Umfeld zu sammeln und so die Wildpopulationen gezielt zu schützen.
Nicht nur die reine Erhaltungszucht sondern ebenso die Zucht von unterschiedlichen Farbmorphen ist in den letzten Jahren erfolgreich betrieben worden, so dass ganz außergewöhnlich schöne Tiere zu bekommen sind, deren Vorfahren schon seit Generationen in menschlicher Obhut leben.
Schlangen sind keine Streicheltiere, und sie werden auch nicht im herkömmlichen Sinne zahm, aber sie sind mehr oder weniger umgänglich. Bei sachgerechtem und verantwortungsbewusstem Umgang kommt es selten oder nie zu Bissverletzungen. Alle Schlangen, die ich halte, gehören zu den Würgeschlangen, die ihre Beute (Kleinsäuger und Vögel) durch Erdrosseln töten. Meine Tiere sind sämtlich an die Aufnahme toter Futtertiere gewöhnt, so dass ich keine lebenden Tiere verfüttere. Die Futtertiere sind über den Fachhandel tiefgefroren zu beziehen und zuvor fachgerecht getötet worden.
Das Verfüttern von Tieren ist sicher eine Gewissensfrage, aber da ich selbst kein Vegetarier bin, sehe ich kein ethisches Problem darin, denn das Essen von Tieren ist durch die Natur vorgesehen.
Leider wird in letzter Zeit von Seiten verschiedener "Tierschutzorganisationen" - so z. B. TASSO - versucht, die Schlangenhaltung schlecht zu reden oder zu unterbinden, da Reptilien angeblich in menschlicher Obhut nicht artgerecht gehalten werden können. Das ist natürlich populistischer Unfug, der allenfals dazu geeignet ist, Vorurteile zu bedienen, die aus sachlicher Unkenntnis resultieren. Wenn jemand dieses Hobby ernsthaft betreibt - und davon gehe ich bei jeder vernünftigen Tierhaltung aus - sorgt er sowohl für eine artgerechte Unterkunft, Klimatisierung, Fütterung usw. Natürlich gibt es - wie überall - schwarze Schafe, die die Exotenhaltung der Sensationslust und Wichtigtuerei wegen bertreiben, aber man kann nicht deswegen Pauschalurteile fällen. Dass man allerdings keinen 5 m langen Tigerpython auf zwei Quadratmetern artgerecht halten kann, sollte sich von selbst verstehen. Man hält ja auch keinen Vogel im Aquarium.
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hier meine beiden Tigerpython-Männchen (python molurus bivittatus). Der dunkle ist aus Dezember 2004 und inzwischen über 2,4 m lang, der Albino-Tiger ist aus 2006 und entsprechend kleiner. Beide Tiere sind sehr umgänglich, aufgrund ihrer zu erwartenden Endgröße von 3-4 m aber nicht zu unterschätzen. Der Tigerpython gehört zu den größten Riesenschlangen überhaupt. Die Haltung eines solchen Tieres bedarf der behördlichen Genehmigung bzw. Meldung oder des Sachkundenachweises, je nach Bundesland. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die Haltung in einigen Bundesländern in Privathand gänzlich untersagt ist, da diese Tiere auch für den Menschen lebensgefährlich sein können, wenn man Verhaltensregeln und Sicherheitsmaßnahmen missachtet. Auch ein mittelgroßer Hund kann lebensgefährlich sein, daher ist die Haltung solch eines Tieres in jedem Falle individuelle Ermessenssache. |
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Hier noch einmal der dunkle Tiger in Gesellschaft mit einer (viel kleineren) Boa constrictor. | ||
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Kopf des Albino-Jungtieres Für den Python typisch sind die sog. Labialgruben, Sinnesorgane entlang des Mauls, die dem Python z. B. Wärmestrahlung und damit Beute signalisieren. Da Tigerpythons, ebenso wie viele andere Schlangen, nachtaktiv sind, sind diese Sinnesorgane eine ideale Alternative bzw. Ergänzung zu den Augen, die in aller Regel relativ schlecht ausgebildet sind und fast ausschließlich auf bewegte Gegenstände reagieren. |
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| ein seltener fotografischer Glücksfall: Häutung des Albinos | |||
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Einem echten Albino fehlen nur die schwarzen Pigmente, darum ist er nicht zwangsläufig weiß, es werden lediglich die gelben und roten Töne deutlicher sichtbar. Unverwechselbar sind auf jeden Fall die roten Augen. Hier habe ich ihn mit warmem Wasser besprüht, damit er sein "Natternhemd" leichter abstreifen kann. Die Haut krempelt sich bei der Häutung auf links, und nach der Häutung sieht eine Schlange aus wie neu geboren, glänzt und changiert in allen Regenbogenfarben. Normalerweise streifen sie ihre Haut ab, in dem sie an Ästen oder Steinen entlang kriechen; dieser Python zieht es vor, seine Haut an sich selbst abzustreifen. Die Häutung ist bei Schlangen notwendig, da die obere Hautschicht nicht mitwächst und diese daher von Zeit zu Zeit komplett, einschl. der Augenschilde, abgestreift werden muss. Schlangen wachsen ein Leben lang, die meiste Länge erreichen sie aber bereits innerhalb ihrer ersten paar Lebensjahre. |
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| Erdnatter (elaphe obsoleta), leuzistisch | |||
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eine leuzistische Schlange ist rein weiß, meist mit grauen oder blauen Augen, sie ist aber kein Albino sondern hat eine ausschließlich weiße, dichte Pigmentierung. Schlangen besitzen zwar keine Ohren oder Ohröffnungen und können daher Töne nicht in der für uns gewohnten Form wahrnehem. Dafür spüren sie deutlich Erschütterungen des Bodens, auf dem sie sich bewegen. |
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Drohgebärde dieses Tier ist relativ aggressiv, ein Biss ist zwar schmerzhaft aber giftlos. Wenn sie zubeißt, kann sie problemlos einen Meter weit blitzschnell hervorschießen. |
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sehr schön sichtbar ist hier die vorstülpbare Luftröhre oberhalb der Zunge. Die Schlange hat somit die Möglichkeit, während des Schlingaktes weiterzuatmen, ohne an ihrer Beute zu ersticken, denn der Schlingakt kann unter Umständen bis zu 20 Minuten dauern, je nach Größe des Beutetiers. Ein Beutetier kann locker doppelt oder dreimal so groß sein wie der Kopf einer Schlange. |
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| Spitzkopfnatter (elaphe oxycephala) | |||
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eine anmutige Schlange ist die Spitzkopfnatter, die ein dicht bepflanztes, großes Regenwaldterrarium braucht. Sie ist knapp unter 2 m lang, leider aber sehr aggressiv. Ihre beiden jungen Kollegen hingegen sind umgänglich. Die Spitzkopfnatter setzt aufgrund ihrer Empfindlichkeit einige Erfahrung in der Haltung von Schlangen voraus. Auch kann sie im Futter heikel sein. Sie trinkt nicht aus einer Wasserschale sondern nimmt nur die Wassertropfen von den Pflanzen auf, manchmal sogar den Strahl direkt aus der Sprühflasche.
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Wenn sie sich aufregt, bläht sie drohend ihren Vorderkörper senkrecht auf und wirkt dann wie eine Muräne, gleichzeitg schlägt sie mit dem Schwanz. Je nach Lichteinfall irrisieren die Flanken in türkis-blau. Ihre kraftig blau gefärbte Zunge geht sehr langsam in einem langen Bogen von der Stirn bis unter das Kinn. |
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hier die beiden Jungtiere unter ihrem Heizstrahler, die noch wesentlich heller in ihrer Färbung sind als das ältere Tier. Diese beiden sind sehr friedlich und lassen sich problemlos anfassen. Was hier zu wem gehört, ist nicht ganz einfach auszumachen. |
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| Wüsten-Kettennatter (lampropeltis getula splendia), High-yellow-Phase | |||
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Eine prächtige Vertreterin der Königsnattern (Lampropelten) ist dieses Tier, sie nimmt ihre Beute auch direkt aus der Hand oder von der Futterpinzette. Falls sie dabei aber etwas daneben langt, ist es ungemütlich stachelig. Bei Aufregung vibriert sie drohend und je nach Untergrund ziemlich lautstark mit dem Schwanz auf dem Boden.
Achtung kannibalisch, nur Einzelhaltung! |
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| Königsnatter (Lampropeltis hundurensis), Tangerine-Phase | |||
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Dieses schöne Weibchen wird etwa 2 Meter lang, kann aber wegen ihrer kannibalischen Neigung nur einzeln gehalten werden. Nur zur Paarungszeit ist es geraten, dem satten Weibchen ein Männchen hinzuzugesellen. Außer von Artgenossen, die sie bei mir natürlich nicht bekommt, ernährt sie sich von Mäusen und Ratten. |
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| mexikanische Königsnatter (Lampropeltis mex. greeri) | |||
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Dieses wunderschöne Weibchen aus 2004 stammt aus schlechter Haltung und hatte aufgrund einer überheizten, ganzflächigen Bodenheizung den Bauch verbrannt und außerdem eine lange Schnittwunde an der Flanke, vermutlich bei verzweifelten Fluchtversuchen durch eine ungeschliffene Terrarienscheibe verursacht. Außerdem kränkelte sie an einer Lungenentzüngung und verweigerte das Futter. Nach Optimierung aller Haltungsbedingungen und zweimaliger, unumgänglicher Stopfung mit toten jungen Mäusen und eingespritztem Vitaminpräparat geht sie nun wieder willig ans Futter und ist auf dem Wege der Erholung. Selbst für eine Greeri ist sie außergewöhnlich intensiv und kontrastreich gefärbt; besonders interessant und außergewöhnlich sind die stark ausgeprägten gelblichen Zentren der roten Querbänder. Trotz der schlechten Erfahrungen mit Menschen ist dieses Tier völlig friedfertig und gut zu händeln. |
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| Westliche Hakennasennatter (heterodon nasicus) | |||
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Trugnatter, hat opistoglyphe (hintenstehende) Giftzähne. Die Giftwirkung gleicht der eines Bienen- oder Wespenstiches. Bei Gefahr richtet sie sich ähnlich einer Kobra auf und zischt und faucht mit breit geblähtem Hals, dazu vibriert sie lautstark mit dem Schwanz. Ich halte ein Päärchen dieser Art. |
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